G-BA ergänzt häusliche Krankenpflege-Richtlinie um psychiatrische Krankenpflege

Versicherte mit schweren psychischen Erkrankungen können ab sofort bessere Unterstützung im häuslichen Umfeld erhalten. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat mit Beschluss vom 19.7.2018 die Richtlinie zur häuslichen Krankenpflege (HKP) um die psychiatrische häusliche Krankenpflege (pHKP) ergänzt.

Die Änderungen des Leistungsbereiches der psychiatrischen häuslichen Krankenpflege beinhalten u. a. folgende Aspekte:

  • Überarbeitung des Diagnosespektrums

Versicherte mit einer schweren psychischen Erkrankung soll es erleichtert werden, im Rahmen ihrer Möglichkeiten in der gewohnten häuslichen Umgebung leben zu können. Indikationen sind unter anderem schwere Depression, Schizophrenie und Selbstgefährdung. Mit der häuslichen psychiatrischen Krankenpflege sollen die PatientInnen in die Lage versetzt werden, ihren Tagesablauf zu strukturieren und rechtzeitig ärztliche und psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Strittig bisher war, ob auch Abhängigkeitserkrankungen in den Leistungskatalog aufgenommen werden sollen. Im Falle von Suchtproblematik soll dies nur dann möglich sein, wenn die psychiatrische häusliche Krankenpflege übergangsweise bis zur Aufnahme in eine stationäre Einrichtung notwendig ist. Dadurch wird für alle ICD-10-GM-Diagnosen aus dem Indikationsbereich F00–F99 eine Verordnungsmöglichkeit geschaffen.

Die Liste der Regelindikationen für psychiatrische häusliche Krankenpflege wurde erweitert. Für die folgenden Indikationen besteht künftig ein Anspruch auf psychiatrische häusliche Krankenpflege, wenn die damit verbundenen Fähigkeitsstörungen in einem Maß vorliegen, dass das Leben im Alltag nicht mehr selbstständig bewältigt oder koordiniert werden kann.

  • F05.1 Delir bei Demenz
  • F42.1 Vorwiegend Zwangshandlungen
  • F42.2 Zwangsgedanken und -handlungen, gemischt
  • F43.1 Posttraumatische Belastungsstörung
  • F53.1 Schwere psychische Verhaltensstörung im Wochenbett
  • F60.3 Emotional instabile Persönlichkeitsstörung
  • Verordnungsvoraussetzungen

Nun können auch Hausärzte solche Verordnungen für den begrenzten Zeitraum von sechs Wochen tätigen, sofern eine vom Facharzt gesicherte Diagnose vorliegt, die nicht älter als vier Monate ist.

  • Verordnungsdauer

Es ist auch möglich über den maximalen Verordnungszeitraum von 4 Monaten hinaus zu verlängern. Im Behandlungsplan ist zu begründen und darzulegen, inwieweit die psychiatrische häusliche Pflege weiterhin auf die Beeinträchtigungen der Aktivitäten positiv einwirkt, die betroffene Person stabilisiert und die Zielsetzung der pHKP erreicht werden kann. Verordnungsfähig sind bis zu 14 Einheiten á 30min pro Woche.

  • Verbindliche Anwendung der GAF-Skala

In Zusammenhang mit der psych­iatrischen Häuslichen Krankenpflege wurde auch die verbindliche Anwendung der Global Assessment of Functioning Scale (GAF-Skala) beschlossen, die zur Bestimmung des Ausmaßes der Fähigkeitsstörungen herangezogen wird. Die GAF-Skala ist eine international anerkannte Klassifikation zur Beschreibung der psychischen, sozialen und beruflichen Funktionen von psychisch erkrankten Menschen. 

Der GAF-Wert muss künftig immer angegeben werden, wenn psych­iatrische häusliche Krankenpflege verordnet wird, und die Verordnung kann aufgrund von Regelindikatio­nen nur erfolgen, wenn ein GAF-Wert ≤ 50 vorliegt. 

  • Klarstellung, dass auch psychiatrische Institutsambulanzen nach § 118 SGB V Leistungen der psychiatrischen häuslichen Krankenpflege verordnen dürfen

Der Beschluss des G BA ist unter https://www.g-ba.de/informationen/beschluesse/3411/ abrufbar. Nach Veröffentlichung im Bundesanzeiger am 11.10.2018 ist dieser Beschluss ab 12.10.2018 in Kraft getreten.